Herzdruckmassage

HERZKAMMERFLIMMERN? PLÖTZLICHER HERZSTILLSTAND? SEKUNDENTOD?

DER PLÖTZLICHE HERZTOD. WELTWEIT DER KILLER Nr. 1

(SCA = Sudden Cardiac Arrest, Kammerflimmern, Sekundentod, plötzlicher Herzstillstand)

Die koronare Herzkrankheit steht weltweit immer noch an der Spitze der Todesursachen. Dabei stellt der plötzliche Herztod die häufigste tödliche Manifestationsform einer Herzerkrankung dar. Defibrillatoren können hier lebensrettend sein. Diese sind technisch so konzipiert, dass auch jeder Laie sie einsetzen kann und sollte.

 

WAS PASSIERT DA EIGENTLICH GENAU?

Unser Herz schlägt normalerweise in einem Rhythmus von 60 – 80 Schlägen/Min. und dient als Pumpe, die das Blut durch den Kreislauf befördert. Dadurch werden alle Organe mit Sauerstoff versorgt. Aus verschiedenen Gründen kann der Herzrhythmus außer Takt geraten, sodass das Herz unkoordiniert schlägt oder anfängt zu rasen. Der Puls steigt auf bis zu über 300 Schläge/Min.

Fachleute nennen diesen Zustand Kammerflimmern. Hört das Herz gänzlich auf zu schlagen, spricht man von Herzstillstand oder wie die Fachleute sagen von Asystolie. Beim Kammerflimmern sinkt die Pumpleistung des Herzens dramatisch ab, bei der Asystolie hört sie ganz auf. In der Folge wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt und der Betroffene wird bewusstlos.

HERZINFARKT UND PLÖTZLICHER HERZTOD

Wird ein plötzlicher Todesfall in der Familie oder im Freundeskreis beklagt, denken Laien häufig an einen Herzinfarkt. Dieser ist in der Tat eine weitere Ursache für den plötzlichen Herztod und beruht auf einem Verschluss der Koronararterien, was zum Absterben von Herzmuskelmasse führt. Konsekutiv können auch beim Herzinfarkt Herzrhythmusstörungen auftreten. Insofern kommen auch hier die standardisierten Reanimationsmaßnahmen zum Einsatz. Danach versuchen Spezialisten in der Klinik die Ursache des Herzinfarkts, meist ein Blutgerinnsel in den Koronararterien, durch eine Herzkatheter-untersuchung zu beseitigen.

 

FAKTEN

Über 84 Prozent aller Opfer, die dem plötzlichen Herztod erliegen, sterben zuhause, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. In Europa sind dies jedes Jahr weit über 800.000 Menschen, in Deutschland immerhin noch über 140.000. Leider wird man oft nur durch Medienberichte an Opfer aus dem Sport, von Kindern oder Prominenten und an das allgegenwärtige Risiko erinnert.

ES KANN JEDEN TREFFEN

Egal ob dick oder dünn, gesund oder krank, Raucher oder Nichtraucher, Sportler, Vegetarier, junge oder alte Personen. Männer betrifft es dreimal häufiger als Frauen, Menschen mittleren und höheren Alters häufiger als junge Personen. Ein höheres Risiko tragen Personen mit Vorerkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes oder aber Personen, die schon einen Herzinfarkt überlebt haben oder an einer anderen Herzerkrankung leiden. Das Herz beginnt urplötzlich zu rasen und völlig unkoordiniert zu schlagen (Herzkammerflimmern, VF). Die Pumpleistung des Herzens sinkt, das Herz bleibt stehen, das Gehirn erhält keinen Sauerstoff mehr, man wird bewusstlos und stirbt innerhalb weniger Minuten.

PLÖTZLICHER HERZTOD BEI JUNGEN MENSCHEN

Es gibt Erregungsbildungsstörungen im Herzmuskel, so z.B. das sogenannte Long-QT-Syndrom, das lange unerkannt bleiben kann und plötzlich zu Herzrhythmusstörungen führt. Diese können eine Synkope (akute Bewusstlosigkeit) auslösen. Je jünger Betroffene zum Zeitpunkt der erstmaligen Synkope sind, umso schlechter ist die Prognose. Körperliche Anstrengung, Stress oder Aufregung können auslösende Faktoren sein. Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Kardiomyopathie, die auch bei Kindern und Jugendlichen vorkommen kann. Aus vielerlei Gründen kommt es dabei zu einer Verdickung (Hypertrophie) oder Ausdünnung (Dilatation) des Herzmuskels und einem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen. Die Commotio Cordis (= Herzerschütterung) wird durch eine externe Gewalteinwirkung auf den Brustkorb ausgelöst, so z.B. im Sportbereich durch einen mit Wucht auftreffenden Ball oder einen starken Schlag auf die Brust. Diese mechanische Einwirkung kann akute Herzrhythmusstörungen auslösen und ist nicht selten Ursache für den plötzlichen Herztod von Kindern und Jugendlichen.

Menschen mittleren und höheren Alters betrifft es häufiger als junge. Auch Hochleistungssportler sind ca. 2,5-mal häufiger als weniger Sporttreibende betroffen.

Weitere bekannte Vorerkrankungen wie:

Kardiomyopathie = Herzverdickung, von der häufig auch Kinder betroffen sind

Synkope = plötzlich auftretende Bewusstlosigkeit

Herzinsuffizienz = Herzmuskelschwäche

Herzrhythmusstörungen = unregelmäßiger Herzschlag

Aortenstenose = eingeengter Ausflusstrakt der linken Herzkammer

Myokarditis = Herzmuskelentzündung

tragen zu einem erhöhten Risiko bei.

URSACHEN, DIE ZUM PLÖTZLICHEN HERZTOD FÜHREN

Eine häufige Ursache ist eine Engstellung der Herzkranzgefäße (KHK = koronare Herzerkrankung). Weitere Gründe können sein: Herzrhythmusstörungen (wie z. B. das Long QT- oder Brugada-Syndrom), angeborene oder erworbene Herzfehler usw. Betrifft es junge Menschen, steckt manchmal eine Verdickung des Herzmuskels (hypertrophe Kardiomyopathie) oder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) dahinter.

GIBT ES VORBOTEN ZUM PLÖTZLICHEN HERZTOD?

Brustschmerzen, Atemnot, Herzrasen oder Bewusstseinstrübungen können Vorboten des plötzlichen Herzstillstands sein. Allerdings trifft es die meisten Opfer urplötzlich wie aus heiterem Himmel.

Grundsätzlich kann es jeden treffen, eine maßvolle Lebensweise, regelmäßige Bewegung und Sport, gesunde Ernährung, Gewichtskontrolle, Nikotinkarenz usw. sind aber risikomindernd. Bekannte Erkrankungen wie Bluthochdruck, KHK, Diabetes & Co. und insbesondere vorbekannte Herzrhythmusstörungen oder Arrhythmien sollten ärztlich bekannt sein und behandelt werden.

IST ES DANN PASSIERT, ZÄHLT JEDE MINUTE

Ist das Opfer bewusstlos, ohne Atmung und Reaktion, muss so rasch wie möglich mit der Herzdruckmassage begonnen und ein Defibrillator eingesetzt werden. Nur dann hat die betroffene Person eine gute Überlebenschance. Defibrillatoren (Schockboxen) oder auch genannt AEDs (automatische externe Defibrillatoren) sind kinderleicht zu bedienen, selbsterklärend und absolut sicher. Optimal sind Kombinationsgeräte, die neben einem elektrischen Schock (falls erforderlich) die Herzdruckmassage überwachen und dem Helfer Anweisungen zur Durchführung geben. Dabei kommen Defibrillatoren zum Einsatz, die die Drucktiefe und Herzdruckmassagegeschwindigkeit kontrollieren und dem Anwender Anweisungen geben wie: schneller, langsamer, fester drücken.

IM NOTFALL MUSS SOFORT REAGIERT WERDEN!

Da es sich beim plötzlichen Herztod um eine elektrische Reizleitungsstörung handelt, besteht die Notfallbehandlung aus einem elektrischen Schock in Kombination mit einer Herzdruckmassage. Durch das Defibrillieren wird ersthelfend versucht, das Herz wieder in einen normalen Schlagrhythmus zu bringen bis der Notarzt eintrifft. Elektrischer Schock und Herzdruckmassage müssen innerhalb der ersten 5 Minuten nach dem Notfallereignis einsetzen, nur dann hat das Opfer gute Überlebenschancen. Machen Sie sich bewusst: Jeder kann Leben retten, auch Laien und untrainierte Personen!